Die
biologische Wertigkeit (biological value = BV) ist international
definiert als die vom Körper einbehaltene, also zur Bildung von
Körpereiweiß genutzte Stickstoffmasse. Das ist quantitativ die
Nahrungseiweißmenge (einschließlich Nahrungspeptid- und
Nahrungsaminosäurenmenge), die sich nicht in den Ausscheidungen wieder
finden lässt.
Dahinter steckt der Gedanke, dass die vom Körper
einbehaltene Masse eine perfekte Struktur und ideale Zusammensetzung an
Einzelbausteinen (Aminosäuren) gehabt haben muss. Die biologische
Wertigkeit ist demnach ein Maß für die effektive Nutzbarkeit
resorbierten Proteins (resorbierter Stickstoffmasse). Sie ist mit
abhängig vom Aminosäurenverhältnis im Nahrungseiweiß. Die Zahl der
biologischen Wertigkeit beantwortet die theoretische Frage, wie viel
Körpereiweiß in Prozent der individuelle Körper in seinem akuten Zustand
aus 100 g Nahrungseiweiß bilden kann. Logischerweise kann so eine Zahl
niemals einen höheren Betrag als 100 ausweisen.
Trotzdem findet man oft Angaben zur biologischen Wertigkeit von Eiweißen, deren Betrag größer ist als 100. Was steckt dahinter?
Dazu
muss man wissen, dass man noch bis in die Siebziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts der Meinung war, dass mit dem Verzehr von
Hühnervollei das optimale Eiweiß für die menschliche Ernährung zugeführt
würde. Das Hühnereiprotein wurde so zu sagen als der
Eiweiß-Goldstandard angesehen.
In
Deutschland wurden damals praktische Versuche mit Menschen zur
Ermittlung der biologischen Proteinwertigkeit von eiweißreichen
Lebensmitteln und verschiedenen Gemischen aus Eiweißen und eiweißreichen
Lebensmitteln durchgeführt.
Überraschendes
Ergebnis war die Tatsache, dass insbesondere bestimmte Gemische eine
höhere biologische Protein-Wertigkeit aufwiesen, als bei vorgegebenem
Studienablauf sich aus den Ergebnissen mit Hühnereiprotein ergab.
Man
definierte daher das Hühnereiprotein als inneren Standard (Index) für
Angaben der biologischen Wertigkeit. Eiweiße bzw. Eiweißgemische mit
besserer effektiver Verwertbarkeit nach oben beschriebener Methode kamen
dadurch zu zahlenmäßig höheren Werten als 100. (Hintergrund
der damals durchgeführten Studien und Versuche war die Suche nach
Eiweißen/Eiweißgemischen für Weltgegenden mit unterernährter
Bevölkerung.)
Angaben
zur biologischen Wertigkeit von Eiweißen über 100 können daher nur dann
Ernst genommen werden, wenn das Bezugseiweiß oder das
Bezugslebensmittel dazu genannt ist.
In
der seriösen Literatur sind daher biologische Wertigkeiten mit Index
Hühnereiprotein nur unter erläuterndem Vorbehalt genannt.
Nennungen biologischer Wertigkeiten über 100, denen die Angabe des Bezugs fehlt, sollten daher hinterfragt werden.
Für den Verbraucher ist noch folgender Aspekt beachtlich:
Eingangs
war von Verwertbarkeit des Nahrungseiweiß in Bezug auf das Individuum
und die akute Situation des Individuums die Rede. Damit soll gesagt
sein, - bevor man sich in Tabellen und Zahlen verrennt - dass jeder
(gesunde) Mensch auch noch seine eigene charakteristische
Proteinverwertung in einer bestimmten Lebenssituation aufweist.
Heute weiß man, dass bestimmte Milchproteine und Milchproteinfraktionen Einzeleiweiße mit höchster bekannter biologischer Wertigkeit darstellen, die von bestimmten Mischungen sogar auch noch übertroffen werden können. Für den einzelnen gesunden Verbraucher gilt hier „Probieren geht über Studieren“.
Es gibt theoretische Bewertungen zur biologischen Wertigkeit, die für die meisten Menschen gelten mögen und die als praktische Orientierungshilfe dienen können. Was für den einzelnen Verwender am besten ist, kann dieser aber nur in der Praxis selbst herausfinden. Letztenendes ist auch der Geschmack eines Nahrungseiweißes ein Wert bestimmendes Kriterium.
Beste
Qualität, Zuschnitt auf den tatsächlichen Gebrauchs-/Ernährungsnutzen
und guter Geschmack sind die überzeugendsten Parameter für Akzeptanz und
Präferenz von Proteinpräparaten durch den Verbraucher.
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Literatur:
1. Bäßler, Fekl, Lang: Grundbegriffe der Ernährungslehre, 1979, ISBN: 3-540-09388-5
2. Ensminger et al.: The Concise Encyclopedia of Foods & Nutrition, 1995, ISBN: 0-8493-4455-7
3. Shils et al.: Modern Nutrition in Health and Disease: 1998, ISBN: 0-683-30769-X
4. Klaus Arndt: Protein und Aminosäuren, 2001, ISBN: 3-929002-32-9
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